Sturzflut in Nepal: Auf der Suche nach Überlebenden
Nach einem Gletscherkollaps an Nepals Grenze zu Tibet suchen Rettungskräfte nach fast 5.000 Vermissten. Hunderte Arbeiter könnten in Tunneln eingeschlossen sein. Neue Fluten und Erdrutsche bedrohen die Helfer.

Ein Tal in Trümmern
Wo einst Straßen durch die Himalaya-Täler führten, liegen jetzt Schlamm, Felsen und Trümmer. Eine gewaltige Flut aus Eis, Wasser und Geröll hat Orte an der Grenze zwischen Nepal und Tibet verwüstet. Mehr als 900 Menschen sind gestorben, fast 5.000 werden vermisst. Angehörige warten verzweifelt auf Nachrichten, es ist ein Wettlauf gegen die Zeit.
Suchtrupps im Kraftwerkstunnel
Der Blick der Retter richtet sich auf elf Wasserkraftprojekte in Rasuwa und Nuwakot. Dort werden 933 Arbeiter vermisst, viele könnten in blockierten Tunneln tief unter der Erde festsitzen. Bagger räumen auch nachts Schlamm und Felsbrocken beiseite. Soldaten suchen mit Taschenlampen nach Zugängen. Aus zwei Tunneln wurden bereits drei Tote geborgen. Jeder Meter zählt.
Berge aus Schlamm und Schutt
Mit kontrollierten Sprengungen, Baggern und Scheinwerfern versuchen Einsatzkräfte, Wasser, Schlamm und Geröll aus den Zugängen zu räumen. Andere Bereiche bleiben verschüttet. "Eine große Menge Schutt hat sich abgelagert", sagt Armeesprecher Raja Ram Basnet. Das erschwere die Arbeit enorm. "Unser Hauptaugenmerk liegt darauf, die Tunnel zu öffnen."
Ein Vater sucht seinen Sohn
Ein Vater reist nach Nepal, um seinen vermissten Sohn zu finden. Er sucht in Rettungszentren und Leichenhallen, legt Dutzende Kilometer durch das Katastrophengebiet zurück – bislang ohne Erfolg. Sein Sohn führte 49 indische Pilger vom heiligen Berg Kailash zurück. "Ich weiß nicht, ob mein Sohn lebt oder tot ist", sagt der Vater. Dennoch gibt er die Hoffnung nicht auf.
21.000 Helfer im Einsatz
Einsatzkräfte mit Suchhunden suchen nach Vermissten. Nepals Premierminister Balendra Shah spricht von einer "beispiellosen und verheerenden Naturkatastrophe". Rund 21.000 Sicherheitskräfte sind neben freiwilligen Helfern und Zivilisten im Einsatz. Trotz schlechten Wetters, schwierigen Geländes und anhaltender Gefahren wird die Rettungsaktion fortgesetzt.
China schickt Hilfe
Auch jenseits der Grenze läuft eine großangelegte Suche. China mobilisiert nach Angaben des Staatsfernsehens mehr als 2.100 Rettungskräfte und stellt mindestens 220 Millionen Yuan für die Katastrophenhilfe bereit. Soldaten setzen Geräte zur Ortung von Lebenszeichen ein. Auch viele Reisende sind wohl unter den Opfern: 261 Ausländer aus 23 Staaten gelten in Tibet weiterhin als vermisst.
Hubschrauber rund um die Uhr im Einsatz
Soldaten der nepalesischen Armee verladen Hilfsgüter in einen Hubschrauber, um diese in die von Sturzfluten und Schlammlawinen betroffenen Gebiete in Trishuli im Distrikt Nuwakot in Nepal zu transportieren.
Angst vor neuen Flutwellen
Auch die Rettungskräfte sind in Gefahr. Ihre Einsätze mussten wegen schlechten Wetters mehrfach unterbrochen werden. Durch die Katastrophe haben sich neue Seen gebildet. Läuft ein solcher Wasserspeicher plötzlich über oder bricht seine natürliche Barriere, könnte eine weitere Flutwelle talwärts rasen. Auch Erdrutsche drohen. Acht Gebiete gelten inzwischen als besonders gefährdet.
Erst Naturparadies, jetzt Schlammhölle
Nach Angaben Chinas wurde die Flut durch die Instabilität eines Gletschers unter dem langfristigen Einfluss der globalen Erwärmung ausgelöst. Die Katastrophe zeige eine neue Gefahr in der Kryosphäre des tibetischen Hochlands. Steigende Temperaturen verändern Eis und Permafrost. Werden Hänge instabil, können Gestein, Eis und Wasser plötzlich gemeinsam ins Tal stürzen – mit verheerenden Folgen.
Hoffnung auf ein Lebenszeichen
Während Experten über Gletscher, Seen und Warnsysteme diskutieren, zählt für die Rettungskräfte jede Stunde. Hinter den verschütteten Tunneleingängen oder unter den Trümmern zerstörter Häuser könnten noch Menschen auf Hilfe warten. Für Tausende Familien bleibt nur die Hoffnung, dass unter den Trümmern noch jemand lebt.