Wildelefanten in Sri Lanka: Gefährliche Nähe
Weil ihr Lebensraum schrumpft, dringen wilde Elefanten auf Nahrungssuche in Sri Lankas Dörfer ein. Bei den unberechenbaren Begegnungen sterben jedes Jahr mehr als hundert Menschen - und noch viel mehr Tiere.

Tödliche Nahrungssuche
Ein Opfer von vielen: Dorfbewohner umringen einen toten jungen Elefanten auf einem Feld in Ambanpola, Sri Lanka. Das Tier ist an einem improvisierten Sprengkörper gestorben, der auf der Insel zu einer der häufigsten und grausamsten Todesursachen für wilde Elefanten geworden ist. Über 400 Elefanten sterben in Sri Lanka jährlich durch Abschüsse, Stromschläge, Zugunfälle sowie Gift- und Sprengköder.
"Ich empfinde keinen Hass"
Seit einigen Jahren eskaliert der Konflikt zwischen Elefanten und Menschen: Der Wildhüter Thilakaratne Bandara (rechts) und seine Frau wurden in ihrem Hof von einem wilden Elefanten angegriffen, Bandaras Frau verlor bei der Attacke ihr Bein. Dennoch verspüre er keinen Hass auf den Elefanten, erzählt Bandara der Nachrichtenagentur Reuters: "Er war hungrig wegen der Aktivitäten von uns Menschen."
Auf Kollisionskurs
Gefährlich für Mensch und Tier: Ein Elefant überquert Bahngleise. Seit 2019 wurden in Sri Lanka jährlich durchschnittlich 138 Menschen von den Tieren getötet. Die Elefanten dringen in den Lebensraum der Menschen vor, weil ihr eigener schrumpft: Die Waldfläche der Insel hat sich von rund 70 Prozent in den 1920er Jahren auf heute etwa 34 Prozent reduziert. Dennoch wächst die Elefantenpopulation.
Nachtwache im Baumhaus
Landwirte aus dem Dorf Galgamuwa, in dem Wildhüter Bandara lebt, haben ein Baumhaus gezimmert, um ihre Felder vor den Wildelefanten schützen zu können. Deren Zahl ist in den letzten zehn Jahren um 27 Prozent auf geschätzt 7500 Tiere gestiegen. Die Nachbarn schließen sich oft zusammen, um Elefanten, die ein Feld oder ein Haus plündern wollen, durch Schreie und das Zünden von Böllern zu vertreiben.
Spuren der Zerstörung
Immer klappt das nicht: In diesem Reisfeld haben Elefanten tiefe Fußabdrücke hinterlassen. "Vor zwanzig Jahren hatten wir diese Situation noch nicht", berichtet Bandara. Damals gab es in der Region im Nordwesten der Insel noch große Wälder: "Aber die wurden abgeholzt, und dann kamen die Elefanten näher." Ein 14 Kilometer langer Elektrozaun soll die Elefanten nun von Galgamuwa abhalten.
Alltags-Anpassung
Um Begegnungen mit den Tieren möglichst zu vermeiden, haben die Einwohnerinnen und Einwohner Galgamuwas ihren Alltag angepasst: Die Schule beginnt später, die Dorfbewohner beenden ihre Arbeit früher, um nicht in der Dunkelheit unterwegs zu sein, wenn die Elefanten aktiv sind. Selbst Beerdigungen und Hochzeiten werden so geplant, dass die Wahrscheinlichkeit einer Elefantenbegegnung minimiert wird.
Riskantes Rendezvous
Selfie mit Elefant: Allen Konflikten zum Trotz haben die Menschen in Sri Lanka tiefe kulturelle Bindungen zu Elefanten. Die Tiere sind fester Bestandteil farbenfroher Tempelumzüge, und der Besitz eines Elefanten gilt als Statussymbol. Zudem sind Elefanten eine tragende Säule der vier Milliarden Dollar schweren Tourismusindustrie der Insel.
Erzwungener Umzug
Ein eingefangener Elefant wird zu einer Schutzstation gefahren. Nur etwa 30 Prozent der sri-lankischen Elefanten leben in Schutzgebieten - auch das verschärft den Konflikt zwischen Menschen und Tieren. Bandara spricht sich deshalb für ein Ende der Waldrodungen aus, mit denen mehr Platz für die Landwirtschaft geschaffen wird. Stattdessen, so der Wildhüter, müsse man auf Wiederaufforstung setzen.