Türkei: Wie ein einzigartiger Salzsee verschwindet
Der Tuz Gölü, einer der größten Salzseen der Türkei, ist durch Dürre und Grundwasserentnahme bedroht. Die Wasserkrise gefährdet Wildtiere, Tourismus und die Salzindustrie. Wie steht es um die Zukunft des Sees?

Anatoliens salzreiches Naturparadies
Der Tuz Gölü, dessen Name übersetzt "Salzsee" bedeutet, liegt in der Konya-Hochebene im Herzen Zentralanatoliens, rund 150 Kilometer südlich von Ankara. Er ist bekannt für seine beeindruckende Naturlandschaft und zählt zu den salzreichsten Seen der Welt. Der Tuz Gölü gilt als einer der wichtigsten Brut- und Nistplätze für Flamingos der Welt.
Eleganz in einer kargen Landschaft
Im sanften Licht der Abendsonne suchen Hunderte von Flamingos im Wasser des Sees nach Nahrung. Doch die Idylle trügt: Der Tuz Gölü ist von einer sich verschärfenden Wasserkrise bedroht. Im Dürresommer 2021 war der ohnehin sehr flache See fast vollständig ausgetrocknet.
Die tödlichen Folgen der Dürre
Der rund 1500 Quadratkilometer große Salzsee liegt in einer niederschlagsarmen Region und hat weder Zu- noch Abfluss. Im Sommer verringert sich sein Wasserstand erheblich. Vor fünf Jahren starben infolge der Wasserknappheit und des steigenden Salzgehalts nach offiziellen Angaben rund 1000 junge Flamingos.
Landwirtschaft verschärft den Wassermangel
Die intensive Grundwasserentnahme für die Landwirtschaft im Konya-Becken verschärft die Wasserkrise und macht den Tuz Gölü zunehmend anfällig für Dürren. Forschende der Technischen Universität des Nahen Ostens in Ankara stellten vor zwei Jahren fest, dass nur etwa drei Prozent der Niederschläge im Becken tatsächlich den See erreichen.
Die Rückkehr der Flamingos
Doch es gibt auch Anlass zur Hoffnung: Naturschutzmaßnahmen und vor allem die ergiebigen Regenfälle im vergangenen Winter und Frühjahr haben dem Tuz Gölü neues Leben eingehaucht. Die Flamingos sind zurück und ihre Zahl ist größer als in vielen Jahren zuvor. Ein ermutigendes Zeichen für die Erholung des bedeutenden Brutgebiets.
Ungewisse Zukunft für viele Wildtiere
Nach der Rückkehr der Flamingos bleibt aber ungewiss, wie sich der See im Herzen Anatoliens bei künftigem Regenmangel entwickeln wird. Der Klimawandel und die Wasserknappheit bedrohen nach wie vor den Lebensraum vieler Tiere. Derzeit erholt sich der See dank der Regenfälle: Neben den Flamingos sind auch seltene Steppenadler zurückgekehrt.
Salzgewinnung als wichtiger Wirtschaftszweig
An anderen Stellen entlang des Seeufers fahren schwere Maschinen über die Salzebenen, um Salz zu gewinnen. Es wird zu Anlagen transportiert, wo es verarbeitet, raffiniert und an Abnehmer im In- und Ausland versandt wird. Der See ist die wichtigste Salzquelle der Türkei: Er liefert rund zwei Drittel der jährlichen Salzproduktion und ist eine wichtige Quelle für lokale Arbeitsplätze.
Faszination und fragile Idylle
Die einzigartige Landschaft zieht auch Besucher aus der ganzen Türkei und dem Ausland an. Sie waten durch das flache Wasser und fotografieren ihre Spiegelbilder auf der glatten Oberfläche des Sees. Doch hinter der beeindruckenden Kulisse verbirgt sich ein fragiles Ökosystem, dessen Zukunft angesichts zunehmender Wasserknappheit ungewiss ist.