Europas Durststrecke: Wasserarmut vom Bodensee bis zum Rhein
Auch der Herbst lindert die Folgen des Rekordsommers kaum: Europas Flüsse und Seen stehen weiterhin extrem unter Druck.

Niedrigwasser, wohin man schaut
Extremes Niedrigwasser setzt Flüssen und Seen in weiten Teilen Europas weiterhin erheblich zu. Nach dem wärmsten Sommer in Westeuropa seit Beginn der Aufzeichnungen bringt auch der Herbst bislang kaum Entlastung für die ausgetrockneten Gewässer. Im Bodensee, dem größten Binnengewässer Deutschlands, liegt der Pegel in Konstanz derzeit 89 Zentimeter unter dem für Oktober üblichen Durchschnitt.
Wassermangel im Herbst
Eine schnelle Erholung ist nicht in Sicht. Die Nationale Trockenheitsplattform der Schweiz meldet für Teile des Bodensee-Einzugsgebiets Trockenheit Stufe 4 (große Gefahr). Ein Hauptzufluss, der Alpenrhein, führt derzeit außergewöhnlich wenig Wasser. Nach Einschätzung offizieller Stellen bräuchte es einen deutlich nassen Herbst und Winter, um den Wasserstand des Bodensees zu normalisieren.
Langfristige Veränderung
Der Klimawandel verändert die Bedingungen im Bodenseeraum laut dem Landesamt für Umwelt Baden-Württemberg langfristig. Steigende Temperaturen wirken sich zunehmend auf Schnee- und Schmelzprozesse im alpinen Einzugsgebiet aus. Extremwasserstände seien in beide Richtungen möglich, von Hochwasser bis zu extremem Niedrigwasser, so die Behörde.
Hauptverkehrsader unter Druck
Auch der Rhein, eine viel befahrene Binnenwasserstraße in West- und Mitteleuropa, kämpft vielerorts mit immer neuen Tiefstständen. Durch das andauernde Niedrigwasser in Deutschland alarmiert, mahnt Bundesumweltminister Carsten Schneider: "Die Zeiten, in denen wir uns in Deutschland über Wasser keine Gedanken machen mussten, sind endgültig vorbei."
Folgen für Industrie und Handel
Das anhaltende Niedrigwasser beeinträchtigt zunehmend den Schiffsverkehr auf dem Rhein. Zahlreiche Fährverbindungen wurden eingestellt, und Binnenschiffe dürfen insbesondere in Süddeutschland nur noch mit reduzierter Ladung fahren. Die Bundesnetzagentur warnt zudem vor möglichen Folgen für die Logistik der Energieversorgung.
Wasserpolitik im Wandel
Der Rhein ist üblicherweise auf einer Strecke von mehr als 800 Kilometern für große Lastschiffe passierbar und bildet eine zentrale Verkehrsader für Industrie und Handel. Umweltminister Schneider fordert einen grundlegenden Kurswechsel in der Wasserpolitik. Statt nasse Flächen trockenzulegen, bestehe die Aufgabe darin, Wasser so gut wie möglich in der Landschaft zu halten, so der Minister.
Ein Hilferuf
An der Grenze zwischen Frankreich und der Schweiz liegt der vom Fluss Doubs gespeiste Lac des Brenets. Doch der einst malerische See trocknet aus, während der Doubs zu einem schmalen Rinnsal geschrumpft ist. Ursachen sind geologische Spalten, geringe Niederschläge und wiederkehrende Hitzewellen. Die Anwohner von Les Brenets hoffen auf Hilfe.
Trockene Bilanz
Eine europaweite Erfassung verdeutlicht noch einmal das Ausmaß der Krise: Durch Europas Flüsse floss in den Sommermonaten deutlich weniger Wasser als üblich, gleichzeitig waren die Meere rund um Europa ungewöhnlich warm. Die Folgen reichen von Problemen bei der Bewässerung über sinkende Süßwasserreserven bis hin zu Belastungen im Energiesektor.