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Deutschland erwägt Rückgabe der Eishockey-WM 2027 wegen Russland

Calle Kops mit SID
2. November 2026

Nach der Zulassung Russlands durch den CAS zieht der Deutsche Eishockey-Bund eine Rückgabe der WM 2027 in Betracht. Der Verband warnt vor Sicherheitskosten und Visa-Konflikten. Es gibt bereits mehrere Boykottdrohungen.

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Russische Eishockeyspieler erhalten nach dem "Channel One Cup" 2025 den Siegerpokal
Die russische Eishockey-Nationalmannschaft: seit dem russischen Angriffskrieg auf die Ukraine von internationalen Turnieren ausgeschlossenBild: Kirill Kukhmar/ITAR-TASS/IMAGO

Die Eishockey-WM in Deutschland steht auf der Kippe. Nach Urteil des Internationalen Sportgerichtshofes (CAS) mit der Zulassung Russlands zieht der Deutsche Eishockey-Bund (DEB) eine Rückgabe des Turniers im nächsten Jahr in Betracht - und ruft die Politik zur Hilfe. "Ich möchte keine Schwarzmalerei betreiben", sagte DEB-Vorstandschef Frank H. Lutz bei MagentaTV: "Aber natürlich müssen wir uns mit der Option beschäftigen, dass wir diese WM zurückgeben."

Lutz führte finanzielle Gründe an. "In ein wirtschaftliches Risiko, das wir nicht mehr stemmen können, können wir uns nicht begeben", sagte Lutz. Er sei zwar optimistisch, ob die WM im kommenden Mai in Düsseldorf, Mannheim und Gelsenkirchen tatsächlich stattfinden werde, könne er aber "heute nicht 100-prozentig sagen". Sollte Russland, das durch das CAS-Urteil vom Freitag ab sofort wieder an Turnieren des Weltverbands IIHF teilnehmen darf, an den Start gehen, kämen vor allem in punkto Sicherheit "ganz neue Kosten" auf den Ausrichter zu.

Weil es "auch eine politische Entscheidung" sei, werde er in der kommenden Woche nach Berlin fahren, kündigte Lutz an. So geht es auch um die Frage, ob die russische Mannschaft überhaupt Visa erhält. "Da habe ich überhaupt noch kein Gefühl für", sagte der DEB-Vorstandschef: "Das wird sicherlich Gegenstand der Gespräche sein, wie weit die Bundesregierung bereit ist zu gehen."

Politik ist gefordert

Diese sieht die CAS-Entscheidung "sehr kritisch", das sagte ein Sprecher der Bundesregierung auf SID-Anfrage. "Über mögliche Folgen des Urteils, auch auf die Eishockey-WM 2027 in Deutschland", soll es "zeitnah" einen Austausch mit dem Deutschen Eishockey-Bund geben. "Allgemein wird angemerkt: Seit Beginn des völkerrechtswidrigen Angriffskriegs Russlands gegen die Ukraine setzt sich die Bundesregierung im Kreis der Schengen-Mitgliedstaaten für eine einheitlich restriktive Visumpolitik gegenüber Russland ein."

IHF-Präsident Franz Reindl steht im Eisstadion
IHF-Präsident Franz Reind sucht nach "praktikablen Lösungen"Bild: ActionPictures/IMAGO

Kanada, wo zum Jahresende die U20-WM stattfindet, erklärte bereits, keine Visa auszustellen. Auch bei der Turn-WM im Oktober in Amsterdam verweigerten die niederländischen Behörden der Olympiasiegerin und Titelverteidigerin Angelina Melnikowa die Einreise - offenbar wegen ihrer Nähe zum russischen Staatspräsidenten Wladimir Putin.

In Deutschland durften bereits russische Sportler antreten, etwa bei der WM der Rhythmischen Sportgymnastik in Frankfurt/Main, bei der Junioren-EM im Schwimmen in München oder beim Para-Ski-Weltcup.

Zunächst aber muss die IIHF entscheiden, wie es weiter geht. Der deutsche IIHF-Präsident Franz Reindl kündigte eine Sitzung des Councils zu Beginn der Woche an. Man werde "eng mit allen zusammenarbeiten, um praktikable Lösungen zu finden", sagte der Ex-Nationalspieler dem SID.

Besonders brisant: Für Russland müsste, wenn das WM-Teilnehmerfeld nicht aufgestockt würde, ausgerechnet die Ukraine als zweiter Aufsteiger Platz machen. "Das ist definitiv, was die Reputation und die Integrität des Sports angeht, eine extrem schwierige Situation", sagte Lutz.

Boykottdrohung und Sponsorenrückzug

Nicht ausgeschlossen sei auch ein Boykott anderer Teams, prognostizierte der DEB-Vorstand: "Es besteht die Gefahr, dass Länder sagen, wir können unter diesen Umständen nicht an diesem Turnier teilnehmen." Er wies darauf hin, dass es in Lettland "per Gesetz verboten ist, gegen russische Teams anzutreten".

Wie richtig Lutz mit seiner Einschätzung liegen sollte, zeigte die prompte Reaktion Finnlands: Der Eishockey-Weltmeister droht nach dem CAS-Urteil mit einem Boykott. Der Verband erklärte, dass seine Nationalmannschaften so lange nicht gegen Russland bei Turnieren antreten würden, wie der Krieg in der Ukraine andauere.

DEB-Vorstandschef Frank H. Lutz  bei deiner Pressekonferenz
DEB-Vorstandschef Frank H. Lutz: "Müssen wir uns mit der Option beschäftigen, dass wir diese WM zurückgeben."Bild: Adrian Goldberg/BEAUTIFUL SPORTS/picture alliance

Wir sammeln derzeit so viele Länder wie möglich für eine gemeinsame Front, um der IIHF zu signalisieren, dass keiner von uns unter diesen Umständen gegen Russland spielen wird", sagte der Präsident des finnischen Eishockey-Verbandes, Heikki Hietanen, in einer Mitteilung.

Der Initiative Finnlands schlossen sich der WM-Dritte Norwegen, Schweden, Dänemark und Lettland an. Zudem wurde der Druck auf den Eishockey-Weltverband, der mit seinem Präsidenten Reindl am Montag und Dienstag konferierte, auch von anderer Seite erhöht: Der schwedische Büromöbelhersteller AJ, seit 1989 einer der größten Sponsoren bei Eishockey-Weltmeisterschaften und zuletzt mit seinem Schriftzug auf den Schiedsrichtertrikots präsent, zog sich als erster Geldgeber zurück.

Russland war nach Beginn seines Angriffskrieges in der Ukraine von der IIHF suspendiert worden - offiziell wegen Sicherheitsbedenken. In der Weltrangliste erhielt das Team aber weiter Punkte gemäß seines damaligen dritten Platzes - was zur absurden Situation geführt hat, dass der 27-malige Weltmeister aktuell eigentlich die Nummer eins im Ranking ist, aber nur in der Fußnote geführt wird. Als Weltranglisten-Erster hätte Russland eigentlich ein Startrecht bei der WM in Deutschland.

Dieser Artikel wurde am 3. November 2026 nach den Boykott-Androhungen und dem Sponsorenrückzug aktualisiert.

Redaktion:Pascal Jochem
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