Schock auf Spaniens Bahn-Vorzeigestrecke
Nach der schwerer Kollision zweier Hochgeschwindigkeitszüge in Spanien, suchen Rettungskräfte weiter nach Überlebenden. Die Katastrophe wirft Fragen zur Sicherheit des spanischen Hochgeschwindigkeitsnetzes auf.

Zugtragödie in Spanien
Mindestens 68 Menschen kamen bei der Kollision zweier Hochgeschwindigkeitszüge südlich von Madrid ums Leben. Rettungskräfte durchkämmen die Zugtrümmer mit Hilfe von Drohnen, Spürhunden und Kränen auf der Suche nach Überlebenden. Untersuchungen zur Unglücksursache laufen auf Hochtouren, erste Hinweise deuten auf menschliches Versagen hin.
Hunderte Reisende gestrandet
Der Zugunfall ereignete sich am Mittwochmorgen in der zentralspanischen Provinz Toledo. Ein Zug der spanischen Staatsbahn Renfe prallte auf einen auf demselben Gleis stehenden Zug des privaten Betreibers Iryo. Die Zugverbindung von Madrid nach Sevilla bleibt voraussichtlich bis Mitte Dezember geschlossen.
Zweites Zugunglück seit Januar
Die Tragödie erschüttert das Vertrauen der Reisenden in die Sicherheit der spanischen Schnellzüge. Es ist das zweite schwere Zugunglück in diesem Jahr, erst im Januar starben 46 Menschen bei einer Kollision auf derselben Strecke.
Medizinische Notversorgung
Über hundert Menschen mit teils schweren Verletzungen werden nach dem Unglück medizinisch versorgt. Bei den Schwerverletzten gibt es nach Angaben der Regionalregierung erste gute Nachrichten. Bei 4 der insgesamt 15 Patienten, die ursprünglich in die höchste Dringlichkeitsstufe "Rot" eingestuft wurden.
Spanien unter Schock
Viele Menschen warten verzweifelt auf eine Nachricht von ihren Angehörigen. Zum Zeitpunkt des Unglücks waren mehr als 500 Passagiere an Bord der Züge. "Es ist wichtig für die Angehörigen, dass sie ihre geliebten Menschen finden, auch wenn diese tot sind", sagt ein Pfarrer aus Urda, der die Betroffenen betreut. Das Abschiednehmen helfe vielen Menschen, den Verlust zu verarbeiten.
Deutsche Technik auf der Strecke
Das spanische Hochgeschwindigkeitsbahnnetz gilt als eine der größten Errungenschaften des Landes und transportierte im vergangenen Jahr knapp 45 Millionen Menschen. Die seit 1992 auf der Strecke Madrid-Sevilla eingesetzte deutsche Technik für die Zugsicherung soll durch das europäische System ERTMS - das sonst bereits überall in Spanien eingesetzt wird - abgelöst werden.
Schwere Fehler in der Leitstelle?
Audioaufnahmen deuten auf eine schwerwiegende Fehleinschätzung der Bahnleitstelle hin. Obwohl das automatische Zugsicherungssystem nach einem Computerausfall noch nicht wieder funktionierte, habe die Leitstelle dem Renfe-Zug grünes Licht zur Weiterfahrt gegeben, während der Iryo-Zug noch auf der Strecke stand. Und das bei einer "normalen" Geschwindigkeit von bis zu 200 Kilometern pro Stunde.
Drei Tage Trauer
In Spanien wehen die Flaggen auf Halbmast, Premierminister Pedro Sánchez rief eine dreitägige Staatstrauer aus. Das zweite schwere Zugunglück in diesem Jahr erhöht wenige Wochen vor der Parlamentswahl den Druck auf den Regierungschef. Seit der Einführung der Schnellzüge in den 1990er Jahren ist es das dritte schwere Zugunglück; bereits 2013 entgleiste ein Alvia-Hochgeschwindigkeitszug.